Fotos mit ExifTool geotaggen (ohne Kopfzerbrechen)

GPS-Koordinaten mit ExifTool in jedes Foto-EXIF schreiben – einzelne Dateien, GPX-Tracks oder ganze Ordner auf einmal – und anschließend prüfen, ob alles korrekt übernommen wurde.

ExifTool ist das Referenzwerkzeug für Bild-Metadaten. Phil Harvey pflegt es seit den 1990er Jahren; es ist kostenlos und quelloffen und liest und schreibt nahezu jeden Metadaten-Tag in Hunderten von Dateiformaten. GPS steckt im EXIF als zwei Tag-Paare: GPSLatitude + GPSLatitudeRef (N oder S) und GPSLongitude + GPSLongitudeRef (E oder W). ExifTool schreibt sie präzise, nimmt einen ganzen Ordner oder einen GPX-Track entgegen und ist vollständig skriptfähig. Der Preis dafür ist das Terminal – und das Wissen um die Koordinaten selbst.

Kurzfassung: ExifTool installieren, dann exiftool -GPSLatitude=… -GPSLatitudeRef=N -GPSLongitude=… -GPSLongitudeRef=E photo.jpg für ein Foto ausführen, dessen Aufnahmeort bekannt ist. Für eine ganze Reise einen GPX-Track einlesen und Zeitstempel automatisch abgleichen lassen. Mit exiftool -GPS:all photo.jpg verifizieren. Wer Fotos ohne GPS und ohne Erinnerung an den Aufnahmeort hat, dem kann ExifTool beim Entdeckungsschritt nicht helfen – dafür gibt es die Anleitung zum Geotaggen ohne GPS.

ExifTool installieren

ExifTool ist eine Perl-Anwendung, die auf jeder gängigen Plattform als nativer Binary ausgeliefert wird.

macOS (Homebrew – empfohlen):

brew install exiftool

Ubuntu / Debian:

sudo apt install libimage-exiftool-perl

Windows: Das Windows-Executable-Paket von exiftool.org herunterladen, exiftool(-k).exe in exiftool.exe umbenennen und in ein Verzeichnis im PATH legen (z. B. C:\Windows\ oder einen eigenen Tools-Ordner).

Installation prüfen:

exiftool -ver

Die Ausgabe sollte eine Versionsnummer wie 13.xx zeigen.

Bekannte Koordinaten schreiben

Wenn die Koordinaten bekannt sind – aus Google Maps, einer Bildbeschriftung oder einem anderweitig notierten Aufnahmeort – lassen sie sich direkt mit den -GPS*-Flags schreiben. Dezimalgrad verwenden: 48.8584 für den Breitengrad des Eiffelturms. Das Paar erhält man, indem man in Google Maps mit der rechten Maustaste auf den gewünschten Punkt klickt und die Zahlen oben im Kontextmenü kopiert.

exiftool -GPSLatitude=48.8584 -GPSLatitudeRef=N \
         -GPSLongitude=2.2945 -GPSLongitudeRef=E photo.jpg

Die Ref-Tags (N, S, E, W) sind Pflicht – ohne sie zeigen manche Programme die Koordinate zwar an, zeichnen sie aber nicht korrekt auf der Karte ein. ExifTool gibt bei Erfolg 1 image files updated aus.

Für einen ganzen Ordner statt einer einzelnen Datei einfach den Verzeichnispfad übergeben:

exiftool -GPSLatitude=48.8584 -GPSLatitudeRef=N \
         -GPSLongitude=2.2945 -GPSLongitudeRef=E path/to/folder/

Das schreibt denselben Aufnahmeort in jedes Foto des Ordners – praktisch, wenn eine ganze Aufnahme-Session an einem einzigen Ort stattgefunden hat.

Zu den Sicherungsdateien: ExifTool legt standardmäßig eine .jpg_original-Kopie der Originaldatei an, bevor es schreibt. Das ist das Sicherheitsnetz. Die getaggte Datei prüfen, dann die Originale löschen, wenn alles stimmt. Sicherungen unterdrücken:

exiftool -overwrite_original -GPSLatitude=48.8584 -GPSLatitudeRef=N \
         -GPSLongitude=2.2945 -GPSLongitudeRef=E photo.jpg

Anhand eines GPX-Tracks geotaggen

Wer einen GPS-Logger dabei hatte, einen Track mit einer Sportuhr aufgezeichnet oder eine Route vom Smartphone exportiert hat, kann ExifTool den Aufnahme-Zeitstempel jedes Fotos automatisch mit dem nächstgelegenen Trackpunkt abgleichen und die interpolierten Koordinaten schreiben lassen.

exiftool -geotag track.gpx "-Geotime<DateTimeOriginal" *.jpg

ExifTool liest den DateTimeOriginal-Tag jedes Fotos, sucht den nächsten Punkt in der Track-Zeitlinie, interpoliert die Position bei Bedarf und schreibt die GPS-Tags. Alle passenden Dateien werden in einem Durchgang verarbeitet.

Der Zeitabgleich-Fallstrick – hier scheitern die meisten. Ein GPS-Track zeichnet die Zeit in UTC auf. Die Kamera-Uhr ist wahrscheinlich auf Ortszeit gestellt und kann auf einer langen Reise driften. Passen die Zeitstempel nicht zusammen, ist das Geotag falsch – oder ExifTool überspringt stillschweigend Fotos, die außerhalb des Zeitfensters des Tracks liegen.

Vor der Verarbeitung eines großen Ordners zunächst an einem einzelnen Foto testen:

exiftool -GPS:all -DateTimeOriginal photo.jpg

Den DateTimeOriginal-Zeitstempel in einem Texteditor mit dem Track vergleichen und prüfen, ob beide übereinstimmen. Lag die Kamera-Uhr zwei Stunden hinter UTC, die Zeitzone durch einen Versatz am Geotime-Tag mitgeben – dafür die ${tag}-Form verwenden, damit der Versatz am Wert hängt:

exiftool -geotag track.gpx "-Geotime<${DateTimeOriginal}-02:00" *.jpg

Das Abgleich-Fenster vergrößern, wenn der Track längere Lücken hat:

exiftool -api GeoMaxIntSecs=7200 -geotag track.gpx "-Geotime<DateTimeOriginal" *.jpg

-api GeoMaxIntSecs=7200 erweitert das Interpolationsfenster auf zwei Stunden (7200 Sekunden). Der Standardwert ist 1800 (30 Minuten), der die meisten Szenarien abdeckt; erhöhen, wenn ein Track längere Pausen hat, damit ExifTool trotzdem eine Position interpoliert statt das Foto zu überspringen. (Ein Wert unter 1800 bewirkt das Gegenteil – ein engeres Fenster verhindert Fehlzuordnungen bei einem dichten Track.)

Stapelverarbeitung aus einer CSV-Datei

Wenn die Quelle eine Tabelle ist – ein digitalisiertes Film-Archiv mit manuellen Aufnahmeort-Notizen, ein Metadaten-Export aus einem anderen Programm – lassen sich alle Fotos in einem einzigen Befehl aus einer CSV geotaggen.

Die CSV mit einer SourceFile-Spalte und den EXIF-Tag-Namen als Spaltenüberschriften formatieren:

SourceFile,GPSLatitude,GPSLatitudeRef,GPSLongitude,GPSLongitudeRef
photo_001.jpg,48.8584,N,2.2945,E
photo_002.jpg,51.5007,N,0.1246,W
photo_003.jpg,40.6892,N,74.0445,W

Dann aus dem Ordner mit den Fotos ausführen:

exiftool -csv=coords.csv .

ExifTool ordnet jeden SourceFile-Eintrag der entsprechenden Datei im aktuellen Verzeichnis zu und schreibt die GPS-Tags. Pfade in SourceFile können absolut oder relativ sein. Das ist der effizienteste Weg für ein vorkatalogisiertes Archiv, dessen Koordinaten bereits in einer Tabelle stecken.

Überprüfen

Vor dem Löschen der Sicherungen oder dem Hochladen immer prüfen:

exiftool -GPS:all photo.jpg

Die Ausgabe sollte ungefähr so aussehen:

GPS Latitude Ref                : North
GPS Longitude Ref               : East
GPS Latitude                    : 48 deg 51' 30.24" N
GPS Longitude                   : 2 deg 17' 40.20" E
GPS Position                    : 48 deg 51' 30.24" N, 2 deg 17' 40.20" E

Die Anzeige in Grad/Minuten/Sekunden ist ExifTools Darstellung des internen EXIF-Rationalformats in eine lesbare Form – das ist korrekt. Die eingegebenen Dezimalgrad und die angezeigte DMS-Schreibweise beschreiben denselben Punkt. Fehlt ein Feld ganz, ist das Schreiben nicht erfolgreich gewesen: Befehl, Dateiname und Schreibrechte prüfen.

Was ExifTool nicht kann

ExifTool ist ein Metadaten-Schreiber. Es nimmt Koordinaten entgegen – als Flag, aus einer GPX-Datei oder aus einer CSV – und schreibt sie in die Datei. Es kann ein Foto nicht ansehen und daraus schließen, wo es aufgenommen wurde.

Für Reisefotografen mit GPS-fähiger Kamera oder einem GPX-Track vom Smartphone ist das kein Problem. Aber bei einem Archiv alter Digitalfotos, gescannter Abzüge oder Aufnahmen von Kameras, die nie GPS aufgezeichnet haben, ist die eigentliche Hürde nicht das Schreiben der Koordinaten – sondern das Kennen derselben.

Das ist ein Problem beim Aufnahmeort-Finden, das kein Metadaten-Werkzeug löst. RetroTagr setzt beim Bild selbst an: KI analysiert den Bildinhalt jedes Fotos – Wahrzeichen, Architektur, Gelände, Vegetation, Lichtwinkel – und schlägt Koordinaten vor, die man prüft und bestätigt, bevor etwas geschrieben wird. Der Export schreibt Standard-EXIF-GPS, dieselben Tags, die ExifTool schreibt. Das Ergebnis lässt sich anschließend mit exiftool -GPS:all photo.jpg prüfen.

Für den vollständigen Ablauf zum Wiederfinden des Aufnahmeorts alter Fotos die Anleitungen Alte Fotos ohne GPS geotaggen oder Aufnahmeort eines Fotos finden lesen.

Fazit

ExifTool ist das richtige Werkzeug, wenn Koordinaten zum Schreiben vorhanden sind: exakte Dezimalgrad für ein einzelnes Foto, ein GPX-Track von einem GPS-Logger oder eine CSV aus einem katalogisierten Archiv. Es ist präzise, skriptfähig und kostenlos – der Aufwand liegt im Terminal und in der Zeitabgleich-Arbeit beim GPX-Einsatz.

Wer die Kommandozeile vermeiden möchte, kann auf Desktop-Anwendungen wie digiKam und GeoSetter zurückgreifen, die ExifTool im Hintergrund nutzen und GPX-Geotaggen über eine grafische Oberfläche anbieten. Für einen browserbasierten Weg ohne jede Installation bietet RetroTagr sowohl manuelles Kartensetzen als auch KI-gestütztes Aufnahmeort-Finden und exportiert dasselbe Standard-GPS-EXIF. Wer zwischen einem Desktop-Geotagger und einem webbasierten abwägt, findet die Unterschiede im RetroTagr vs. GeoSetter Vergleich. Und wer das eigentliche Problem kennt – ein Ordner voller Fotos ohne GPS und ohne Erinnerung an den Aufnahmeort –, ist mit der Anleitung ohne GPS besser bedient.

Häufig gestellte Fragen

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